Rote, juckende Stellen an den Füßen nach einem Tag in neuen Lederschuhen. Ekzem am Handgelenk, genau dort, wo das Uhrenarmband sitzt. Da liegt der Gedanke an eine Lederallergie nahe. Eine echte Allergie gegen die Haut selbst ist aber selten. Meistens reagierst du auf etwas, das dem Leder bei der Herstellung zugesetzt wurde.
Die kurze Antwort: Der bekannteste Auslöser ist Chrom, mit dem der größte Teil des Leders weltweit gegerbt wird. Daneben können Farbstoffe, Kleber und Zurichtmittel eine Reaktion auslösen. Chromfreies Leder, etwa pflanzlich gegerbtes, beseitigt den größten Risikofaktor, ist aber keine Garantie. Bei wiederkehrenden Beschwerden lass beim Hautarzt klären, worauf genau du reagierst.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine medizinische Beratung.
Wie kommt Chrom ins Leder?
Das meiste Leder wird mit Chromsalzen gegerbt. Das geht schnell und ergibt weiches, gleichmäßiges Leder. Beim Gerben wird dreiwertiges Chrom verwendet, Chrom(III). Unter bestimmten Bedingungen kann ein kleiner Teil davon zu sechswertigem Chrom werden, Chrom(VI). Wärme, Trockenheit, Licht und der pH-Wert des Leders spielen dabei eine Rolle.
Chrom(VI) ist ein bekannter Auslöser von Kontaktallergien. Es dringt leichter in die Haut ein als Chrom(III). Schweiß fördert die Freisetzung aus dem Leder, deshalb treten Beschwerden vor allem dort auf, wo Leder lange und warm auf der Haut liegt: in Schuhen, unter Uhrenarmbändern, in Arbeitshandschuhen.
Studien zeigen außerdem, dass Menschen mit bestehender Chromallergie auch auf Chrom(III) reagieren können, das aus Leder freigesetzt wird. Es zählt also nicht nur die sechswertige Form.
Was regelt die EU?
Seit dem 1. Mai 2015 gilt in der EU über die REACH-Verordnung ein Grenzwert: Lederprodukte mit Hautkontakt dürfen keine 3 mg Chrom(VI) pro Kilogramm oder mehr enthalten. Das betrifft Schuhe, Handschuhe, Taschen, Gürtel und Uhrenarmbänder, die hier in Verkehr gebracht werden.
Die Regel wirkt, hat aber Grenzen. Sie betrifft nur Chrom(VI), nicht den Gesamtchromgehalt. Wer bereits sensibilisiert ist, kann auch unterhalb des Grenzwerts Beschwerden bekommen. Und Produkte, die du direkt bei einem Händler außerhalb der EU bestellst, sind nicht immer darauf geprüft.
Lederallergie oder Chromallergie: welche Ursachen gibt es noch?
Chrom ist die bekannteste, aber nicht die einzige Erklärung. Weitere Stoffe, die in Lederwaren stecken können:
| Stoff | Wo du ihn findest |
|---|---|
| Chrom | Chromgegerbtes Leder: Schuhe, Uhrenarmbänder, Handschuhe |
| Farbstoffe | Dunkel gefärbtes Leder und Futter, vor allem bei Schweiß |
| Kleber und Harze | Schuhe, wo Sohle und Brandsohle verklebt werden |
| Gummichemikalien | Sohlen und elastische Schuhteile |
| Formaldehyd und Zurichtmittel | Manche Deckschichten und Konservierungsmittel |
Ein bekanntes Beispiel für das Letzte ist Dimethylfumarat, ein Schimmelschutzmittel in Beuteln bei Möbeln und Schuhen, das um 2008 schwere Hautreaktionen auslöste. Seit 2009 ist es in der EU in Verbraucherprodukten verboten.
Reagierst du nur auf Schuhe, aber nicht auf eine Ledertasche oder einen Gürtel, kann es also auch am Kleber oder Gummi liegen. Genau deshalb bringt Raten wenig.
Was ist chromfreies Leder?
Chromfreies Leder wird ohne Chrom gegerbt. Es gibt zwei Hauptwege. Die pflanzliche Gerbung nutzt Tannine aus Rinde, Holz und Blättern und ist die älteste Methode. Daneben gibt es Leder, das mit synthetischen Gerbstoffen gegerbt wird, oft "wet-white" genannt. Wie die pflanzliche Gerbung in der Praxis funktioniert, liest du in der Gerbprozess erklärt.
Achte auf den Begriff. Nach der europäischen Lederterminologie (EN 15987) darf Leder "chromfrei" heißen, wenn der Gesamtchromgehalt unter 0,1 Prozent liegt. Und manches Leder wird erst mit Chrom gegerbt und danach pflanzlich nachgegerbt. Das wird manchmal trotzdem als "vegetable" bezeichnet, ist aber nicht chromfrei. Frag im Zweifel nach. Den Unterschied zwischen den Gerbarten findest du ausführlich in pflanzlich oder chromgegerbtes Leder.
Was du selbst tun kannst
- Lass es testen. Über den Hausarzt kommst du zum Hautarzt für einen Epikutantest. Damit siehst du schwarz auf weiß, ob es Chrom, ein Farbstoff oder etwas anderes ist.
- Wähle chromfrei bei direktem Hautkontakt. Schuhe ohne Socken, Uhrenarmbänder, Handschuhe: Dort macht es den größten Unterschied.
- Halte Leder trocken. Schweiß und Feuchtigkeit setzen mehr frei. Wechsle die Schuhe ab und lass sie trocknen.
- Nutze eine Barriere. Socken, ein Futter oder eine Stoffschicht zwischen Haut und Leder verringern den Kontakt.
- Hör bei Beschwerden auf. Trag ein Produkt nicht weiter in der Hoffnung, dass es sich gibt. Bei einer Kontaktallergie wird es meist nicht besser.
Und Taschen?
Bei einer Tasche ist der Hautkontakt geringer als bei Schuhen oder einem Uhrenarmband. Trotzdem kann es eine Rolle spielen: ein Schultergurt auf nackter Schulter im Sommer, ein Henkel in einer warmen Hand, ein Kartenetui, das du den ganzen Tag anfasst.
Beocca verwendet pflanzlich gegerbtes Leder, also ohne Chrom als Gerbmittel. Das beseitigt die häufigste Ursache. Wir können aber nicht versprechen, dass niemand darauf reagiert, denn Farbstoffe und Menschen sind verschieden. Hast du eine bekannte Chromallergie und bist unsicher, probier zuerst etwas Kleines mit viel Handkontakt aus, etwa das Leder-Kartenetui Seth, und beobachte, wie deine Haut reagiert. Warum wir uns für diese Gerbung entscheiden, steht in warum pflanzlich gegerbtes Leder besser ist.
Bleiben die Beschwerden auch bei chromfreiem Leder, ist das eine nützliche Information für den Hautarzt. Es deutet dann auf etwas anderes als Chrom hin.